Am Himmel

Blick in die Zukunft

Bibelarbeit als Bildungsarbeit

Unübersehbar steht die Hannoversche Bibelgesellschaft im 201. Jahr ihres Bestehens vor einem Neubeginn. Er verbindet sich mit einem grundlegenden Perspektivenwechsel. Lange haben wir gefragt: Was müssen wir tun, damit die Menschen uns erreichen? Jetzt fragen wir: Was müssen wir tun, damit wir die Menschen erreichen?

Wir sind zu der Überzeugung gelangt: Eine zugehende Programmarbeit ist die richtige Antwort auf die Frage nach der Zukunft der Hannoverschen Bibelgesellschaft. Es führt kein anderer Weg zu den Menschen als der, sie mitten in ihren Lebensbezügen aufzusuchen und anzusprechen. Darum riskieren wir es, Liebgewordenes loszulassen und uns noch entschiedener als bislang auf den freien Bildungsmarkt zu begeben. Wir geben diese Antwort in dem Wissen, dass wir damit in einer Tradition stehen, in der es immer wieder zu neuen Aufbrüchen und Wandlungen gekommen ist.

 

Bildung und Dialog

Welche Prinzipien wollen wir unserer künftigen Arbeit zugrundelegen? Stärker als bisher soll darin die Dimension der Bildung hervortreten. Wir nehmen damit das zentrale Anliegen der Reformation auf, wonach Menschen ihren Glauben verstehen sollen, um in ihm gesprächsfähig zu bleiben. Damit es dazu kommt, wollen wir unsere Veranstaltungen als Räume einer gehaltvollen christlich-religiösen Bildung einrichten und anbieten. Die Bibel selbst gibt uns die Möglichkeit dazu. Denn wenn sich auch die in den biblischen Schriften zugrunde gelegte Lebenswelt von der der Gegenwart unterscheidet, so sind doch die Lebensfragen der Menschen dieselben geblieben. Hier wie dort geht es um Aufbruch und Unterwegssein, um Orientierung und Wegweisung, um Freiheit und Bindung, um Angst und Hoffnung und Annahme – am Ende auch über den Tod hinaus.

Ohne dem Zeitgeist zu verfallen, wollen wir die in den biblischen Schriften zur Sprache gebrachten Lebensfragen zeitgemäß aufnehmen und die darauf gegebenen Antworten Gottes so erfahrbar machen, dass sie auch dem Menschen der Gegenwart zur Antwort werden können. Dabei wollen wir offen bleiben für das, was Menschen immer mitbringen, wenn sie nach dem fragen, was Ihrem Leben Richtung und Ziel gibt: ihre eigene Lebensgeschichte. Bewusst verstehen wir uns als Bildungsträger eines bildungsoffenen und mündigen christlichen Glaubens, der ohne Bevormundung auskommt.

Wir wissen, dass wir in unserem Bemühen angewiesen sind und bleiben auf den Dialog mit unseren jüdischen Geschwistern und den Christinnen und Christen anderer Kirchen. Daher wollen wir in unserer Arbeit nicht das Trennende, sondern das Gemeinsame betonen. Wo es möglich ist, streben wir Kooperationen an, um die Vielfalt des Glaubens an den einen Gott zu erleben und zu vertiefen.

 

Auf weiten Raum gestellt

Unter den fünf Bibelgesellschaften auf dem Gebiet der Hannoverschen Landeskirche ist unsere Bibelgesellschaft die größte. Gemessen an Umfang und potentiellen Adressaten umfasst sie ca. 50% der Landeskirche. Wir sind realistisch genug, um zu wissen, dass sich das Wünschenswerte hier am Machbaren auszurichten hat. Dies soll uns jedoch nicht daran hindern, den Raum, in den wir gestellt sind, als Chance zu begreifen. Im Rahmen des Möglichen wollen wir unseren Aktionsradius Stück für Stück vergrößern, um auch die zu erreichen, die wohl schon immer zu uns gehörten, in den letzten Jahrzehnten aber durch die Konzentration auf den Bereich Hannover aus dem Blick geraten sind.

 

Kooperationen

Je weiter wir uns auf den Weg machen, umso näher kommen uns die anderen Bibelgesellschaften – ein schöner Effekt, der zur Zusammenarbeit an den Schnittstellen unserer Zuständigkeit einlädt. Als gemeinsame Gründungen der »British and Foreign Bible Society« zwischen 1814 und 1832 standen wir ja von Anfang an unter dem gemeinsamen Auftrag der Bibelverbreitung. Heute, wo die Bibel flächendeckend anzutreffen ist (wenn auch weitgehend als „ungelesener Bestseller“), eint uns ein neuer Auftrag: In unseren Veranstaltungen versuchen wir das „Vielstimmenbuch“ (Kurt Marti) so ins Gespräch zu bringen, dass Menschen sich darin wiederfinden und die in ihm niedergeschriebenen Antworten des Glaubens auch für sich wahrnehmen können.

In dieser gemeinsamen christlich-religiösen Bildungsaufgabe werden wir unterstützt von der Deutschen Bibelgesellschaft. Sie hinter uns zu wissen, hat uns in der vergangenen Zeit des Umbruchs viel Sicherheit gegeben. Getragen aber sind und bleiben wir vom Zuspruch Gottes, wie er uns in der Bibel offenbart ist. Mit ihm wollen wir unter die Menschen gehen. Wir wollen dazu einladen, ihn zu hören, zu verstehen und im Glauben zu begreifen.

 Prof. Dr. Matthias Günther, Pastor Steffen Marklein

Vorsitzender der Hannoverschen Bibelgesellschaft e.V.

Günther
Apl. Prof. Dr. Matthias Günther

Bibelgesellschaften und Bibelzentren im Überblick

Einen schnellen, bundesweiten Überblick vermittelt die Deutsche Bibelgsellschaft über eine KARTE.